Hans-Werner Meyer The blue room
 
Hares kluge und oft witzige Dialoge sind eine gelungene Mischung aus Spitzfindigkeiten und erotischem Reiz.
David Hare gibt seiner Bearbeitung einen leichteren, optimist-ischeren Grundton und versucht, seine Figuren stärker zu
individualisieren als Schnitzler. Für ihn ist die Sehnsucht nach
Liebe und Romantik ein zum Menschen gehörender positiver
Antrieb. Die Motive der Akteure sind wie in den 20-er Jahren:
Doppelte Sexualmoral, Liebe als Machtkampf, als Selbstbe-stätigung, als Ware. Und so bleibt von manch hoffnungsvoller
Nacht eben nur der schale Geschmack der Lust: die Sehnsucht, die Enttäuschung und die unerfüllte Liebe. Hare wirft einen überwiegend ironischen Blick auf die peinlichen Situationen, in die sich Menschen beiderlei Geschlechts bringen, um ihre
Sehnsüchte zu erfüllen. Mit der "Kunst zu lieben" hat das rein gar nichts zu tun. Eher schon mit Marktgesetzen, die je nach Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Dass die Figuren diese Geschäftsgrundlage in der Hitze ihrer Begierden immer wieder aus den Augen verlieren, Täuschungen und
Selbsttäuschungen erliegen, macht sozusagen den romantischen, illusionären Teil dieser Reigen-Bearbeitung aus.
Zehn Mal ein Mann und eine Frau. Zehn One-Night-Stands. Zehn Mal Sex, Liebe, Kampf, Sehnsucht.
David Hares "The Blue Room" ist eine Adaption von Arthur Schnitzlers Jahrhundertwendestück "Der Reigen", einer Szenenfolge über das sexuelle Begehren, die Sehnsucht und das Verlangen nach Liebe. Auch in David Hares "The Blue Room" geht es scheinbar
nur um Sex. Aber in seinen zehn Szenen um das "Davor" und
"Danach" werden die Strategien zur Triebbefriedigung durchaus komisch entblößt.

 


The Blue Room - in der Komödie am Kurfürstendamm
Eine Kömodie von David Hare
frei nach Arthur Schnitzler's "Reigen"
Premiere: 31.01.2003
Laufzeit bis: 06.04.2003
mit Hans-Werner Meyer und
Antje Schmidt
Regie: Konrad Sabrautzki