Hares
kluge und oft witzige Dialoge sind eine gelungene Mischung aus Spitzfindigkeiten
und erotischem Reiz.
David Hare gibt seiner Bearbeitung einen leichteren, optimist-ischeren Grundton
und versucht, seine Figuren stärker zu
individualisieren als Schnitzler. Für ihn ist die Sehnsucht nach
Liebe und Romantik ein zum Menschen gehörender positiver
Antrieb. Die Motive der Akteure sind wie in den 20-er Jahren:
Doppelte Sexualmoral, Liebe als Machtkampf, als Selbstbe-stätigung, als
Ware. Und so bleibt von manch hoffnungsvoller
Nacht eben nur der schale Geschmack der Lust: die Sehnsucht, die Enttäuschung
und die unerfüllte Liebe. Hare wirft einen überwiegend ironischen
Blick auf die peinlichen Situationen, in die sich Menschen beiderlei Geschlechts
bringen, um ihre
Sehnsüchte zu erfüllen. Mit der "Kunst zu lieben" hat das
rein gar nichts zu tun. Eher schon mit Marktgesetzen, die je nach Angebot und
Nachfrage den Preis regeln. Dass die Figuren diese Geschäftsgrundlage in
der Hitze ihrer Begierden immer wieder aus den Augen verlieren, Täuschungen
und
Selbsttäuschungen erliegen, macht sozusagen den romantischen, illusionären
Teil dieser Reigen-Bearbeitung aus.



